JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN
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Regie: Peter Fleischmann
Produktion: Deutschland 1969
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Darsteller: |
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Buch
Kamera
Schnitt
Bauten
Kostüme
Ton
Produktion |
Peter Fleischmann
(nach dem gleichnamigen
Bühnenstück von Martin Sperr)
Alain Derobe
Barbara Mondry,
Jane Seits
Günter Naumann
Barbara Baum
Karl Heinz Frank
Rob Houwer |
Abram
Hannelore
Barbara
George
Metzgerin
Maria
Hiasl
Paula
Länge
Verleih |
Martin Sperr
Angela Winkler
Else Quecke
Michael Strixner
Maria Stadler
Gunja Seiser
Johann Brunner
Hanna Schygulla
und
Ernst Wagner, Johann Lang,
Johann Fuchs, Hans Elwenspoek,
Erika Wackernagel, Eva Bertold u.a.
85 Min.
NOBIS (Rechte erloschen) |
Zum Inhalt:
Abram, ein 20jähriger Mechaniker, kommt nach längerem Aufenthalt in Landshut zurück in
das niederbayerische Dorf, wo er als Sohn der Flüchtlingsfrau Barbara aufgewachsen ist.
Die Dorfbewohner tuscheln: "Da stimmt etwas nicht mir dem Abram!". Man vermutet,
dass Abram schwul ist und deswegen im Gefängnis war. "Gesessen soll er haben, weil
er so Sauereien gemacht hat, mit Männern!" (Anmerkung der Redaktion: Damals galt
noch der § 175 mit einer "Schutzaltersgrenze" von 21 Jahren!)
Abram macht sich nützlich mit der Reparatur von Erntemaschinen. Den Hohn und Spott seiner
Mitmenschen lässt er geduldig über sich ergehen. Der einzige Mensch, der ihm mit
Zuneigung begegnet, ist Hannelore, das Dienstmädchen vom Bürgermeister. Von ihr ist
bekannt, dass sie mit allen schläft, auch für Bezahlung. Gegen diese Verbindung wehrt
sich Abrams Mutter.
Das Dorf hetzt gegen den "warmen Bruder", wie er von den jungen Leuten
gehänselt wird. Selbst seine Mutter, von den Frauen eingeschüchtert, raunt ihm zu:
"Ich hoffe, die schlagen dich zum Dorf hinaus." Abram wird beobachtet, wie er
mit dem schwachsinnigen Ernstl, dem Sohn einer verachteten Witwe, Kontakt aufnimmt. Die
Witwe schlägt auf Abram ein. Die Metzgerin wird zur Wortführerin der Hetze gegen ihn.
Sie sieht ihre Kinder gefährdet: "Von solchen Drecksäuen wird die Moral
verdorben!" Abrams Mutter: "Ich hab' getan was ich konnte. Geschlagen hab' ich
ihn, dass mir die Hand angeschwollen ist."
Plötzlich wird bekannt: Hannelore bekommt ein Kind von Abram. Die Metzgerin giftig:
"Dem genügt's nicht, so rum zu sein, der muss auch noch so sein!" Viele wollen
es nicht glauben: "Denn erstens ist die Hannelore eine Hure, und zweitens macht's der
Abram bloß von hinten!" - "Vielleicht wird das Kind wieder schwul. Das bringt
neues Unglück." Die Metzgerin alarmiert die Polizei.
Abram will mit dem Postbus das Dorf verlassen. Die Dörfler können das verhindern. Als er
den Bus noch am Ortsausgang erreichen will, hängt sich Hannelore an ihn. Voll Panik und
Ekel sticht Abram sie nieder. Er flieht in die Wälder, Mit Knüppeln bewaffnet macht sich
das Dorf auf, Abram zu jagen. Die Polizei braucht nur zu warten, bis er ihr in die Arme
getrieben wird. Im Dorf herrscht wieder Ruhe und Ordnung ....
"Jagdszenen aus Niederbayern" ist eines der
wenigen deutschen Theaterstücke, die sich mit dem Thema Homosexualität
auseinandersetzen. Noch heute, über 30 Jahre nach seiner Bremer Uraufführung (1966)
begleitet es trotzig die Spielpläne. Peter Fleischmanns Film hält sich detailgenau an
Sperrs Vorlage. Beklemmend echt fängt er die Treibjagd auf den schwulen Bauernburschen
ein. Martin Sperr, der selbst den duldsamen, einfältigen Abram verkörpert, spielt
ungeschminkt auf den Punkt.
Der Film ist noch immer ein jederzeit aktuelles Dorf-Psychogramm. Glauben wir ja nicht, so
könnte das alles nicht sein!
(aus: Herrmann J. Huber, "Gewalt und
Leidenschaft" - Homosexualität in Film und Video)
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